Allgemeines

Das Kniegelenk ist unser grösstes Gelenk und wird über ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Muskeln, Bändern, Sehnen und den Gelenkoberflächen gesteuert und stabilisiert. Innen- und Aussenmeniskus optimieren den Kontakt der Gelenkpartner und wirken als Stossdämpfer. Das Kniegelenk ist im Alltag und besonders bei sportlichen Aktivitäten grossen Belastungen bis zum Zehnfachen des Körpergewichts ausgesetzt. Gesunde Kniegelenke gewährleisten dennoch, dass wir uns schmerzlos fortbewegen, drehen und abknien können.

Am häufigsten werden Knieschmerzen durch Abnutzungsvorgänge (Arthrose) verursacht. Sportverletzungen durch Anschlagen, Verstauchen oder Verrenken des Kniegelenkes sind eine weitere wichtige Schmerzursache. Knieschmerzen können auch über eine Schmerzausstrahlung vom Rücken oder Hüftgelenk entstehen. Wenn Knieschmerzen neu auftreten, länger andauern, schmerzhafte Einklemmungen oder ein Reiben im Knie oder Schwellungen auftreten, das Knie nicht belastbar oder nicht stabil ist, empfiehlt sich eine spezialärztliche Untersuchung. Auf diese Weise können die Beschwerden korrekt abgeklärt und notwendige Therapiemassnahmen eingeleitet werden.

Kniearthrose

Beim Verschleiss des Kniegelenks – der Kniearthrose – dünnt der glatte Knorpelbelag aus und fehlt im fortgeschrittenen Stadium vollständig. Knieverletzungen (z.B. ein Kreuzband- oder Meniskusriss) können die Arthrose ebenso beschleunigen wie eine abweichende Beinachse (X- oder O-Bein). Die Kniearthrose verursacht typischerweise Schmerzen und Schwellungen bei Belastung mit eingeschränkter Kniebeweglichkeit und hat sich in unserer zunehmend älteren und sportlich aktiven Bevölkerung zu einer regelrechten «Volkskrankheit» entwickelt.

Behandlung der Kniearthrose

Das Vermeiden von Stossbelastungen (z.B. beim Rennen), das Tragen bequemer Schuhe mit weicher Sohle und spezielle Schuheinlagen können ebenso helfen wie eine Gewichtsabnahme bei Übergewicht. Medikamente zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung, gegebenenfalls auch Knorpelaufbaupräparate kommen zum Einsatz. Physiotherapie kann die Kniebeweglichkeit verbessern und die Schwellung reduzieren. Kortison oder Schmiermittelspritzen (sogenannte Viskosupplementation) in deas Kniegelenk können über einige Monate Linderung bringen. Wenn diese Behandlungen nicht ausreichen, kommen operative Massnahmen infrage.

Knienahe Achskorrektur (Umstellungsosteotomie)

Gelenkerhaltend kann bei jüngeren Patienten mit beginnender oder mässig ausgeprägter Arthrose auf der Innen- oder Aussenseite bei einer knienahen Beinfehlstellung durch Korrektur der Beinachse die Belastung auf den gesunden Abschnitt im Knie verlagert werden.

Die häufigste Form der einseitigen Arthrose ist die innenseitige Arthrose bei einer O-Beinfehlstellung. Hier wird in den meisten Fällen im Bereich des Unterschenkels eine Umstellungsosteotomie durchgeführt werden, bei der die Beinachse begradigt wird. Dies führt zu einer Entlastung des inneren Gelenkspaltes und für den Patienten eine deutliche Schmerzlinderung erzielen.

Nachdem vor Operation die Achskorrektur anhand von Röntgenbildern des ganzen Beines (Ganzbeinaufnahmen) geplant wurde, um Schnitthöhe und Korrekturgrad zu bestimmen, werden über einen kleinen Hautschnitt unter Röntgenkontrolle Zieldrähte eingebracht, entlang welcher der Unter- oder Oberschenkelknochen dann geschwächt wird. Danach wird der Knochen so lange aufgespreizt, bis die gewünschte Achskorrektur erreicht ist. Diese Position wird dann mit Hilfe einer dünnen Titanplatte gesichert, mit der zusätzlich noch Druck auf die Osteotomie gebracht werden kann um eine schnellere und sichere Heilung zu gewährleisten. Da die Platte unter Röntgendurchleuchtung via kleiner Hautschnitte platziert werden kann, ist die Operation mit mehreren kleinen Hautschnitten durchführbar und grosse Narben können vermieden werden.

Knieteilprothese

Die Knieteilprothese ersetzt im Gegensatz zur Knietotalprothese nur einen der drei Gelenkabschnitte und erlaubt den Erhalt der Kreuzbänder mit der Möglichkeit eines natürlicheren Bewegungsablaufes. Dieser Eingriff ist jedoch technisch anspruchsvoll und erfordert grosse Erfahrung des Kniechirurgen (siehe "Moderne unikondyläre Kniearthroplastik").

Knietotalprothese

Betrifft die Arthrose bereits alle Anteile des Kniegelenkes, kann nur noch durch den Einsatz eines kompletten Oberflächenersatzes (Knietotalprothese) Schmerzfreiheit, eine verbesserte Beweglichkeit und Stabilität erreicht werden.

Die Verwendung einer Knietotalprothese bietet die Möglichkeit Achsfehler und Beinlängedifferenzen auszugleichen, Knochendefekte aufzufüllen und die Funktion dauerhaft geschädigter Bänder zu ersetzen. Aufgrund unserer großen Erfahrung mit tausenden von eingesetzten Kniegelenken und der Verwendung verschiedener Gelenksysteme ist es uns möglich, jedem Patienten das individuell passende Kniegelenk anzubieten.

Bei jeder Operation achten wir darauf, die bestehende Anatomie zu respektieren und eine optimale Funktion wiederherzustellen. Grundsätzlich unterscheiden wir bei den verwendeten Prothesentypen den Oberflächenersatz und die achsgeführte Knieprothese. Die Wahl des Prothesentypes hängt hierbei sowohl von der Qualität der knienahen Knochen als auch von Bandstabilität und Achsendeformitätn (X- oder O-Bein) ab.

Die Operation kann sowohl in Teil- als auch in Vollnarkose durchgeführt werden.

Der Zugang zum Kniegelenk erfolgt mit nur einem Hautschnitt. Dann wird der erkrankte Gelenkknorpel abgetragen und Überstände oder Reste des erkrankten Knochens werden entfernt. Um möglichst wenig Knochen abtragen zu müssen, wird die neue Metalloberfläche geschlechts- und größenspezifisch an den Knochen angepasst.

Das implantierte künstliches Kniegelenk besteht aus mehreren Komponenten: einem Oberschenkelteil (femuraler Teil), einem Unterschenkelteil (tibialer Teil) mit einer dazwischenliegendem Polyethylenscheibe als Puffer und Meniskusersatz, sowie ggf. einem Kniescheibenanteil (Patellarückflächenersatz). Die Anteile des Ober- und Unterschenkels bestehen aus einer Kombination von verscheidenen Edelmetallen (Titan, Chrom, Cobalt, Molybdän). Der anderen Anteile aus einem hochvernetzten Kunststoff (Polyethylen).

Die Verbindung der Prothesenkomponenten wird durch einen speziellen zemementähnlichen Verbundstoff gesichert. Er ist in Minutenschnelle ausgehärtet, sodass das Kunstgelenk umgehend im Knochen verankert ist. Bei der gesamten Operation bleiben die wichtigen Bänder des Kniegelenkes erhalten, so dass dem Knie auch nach der Operation noch die physiologische Stabilität und die Beweglichkeit erhalten bleiben.

Einschränkungen nach einem Kniegelenkersatz?

In ihrem täglichen Leben können die meisten Patienten ihren Aktivitäten ganz normal nachgehen - viele gehen sogar ihren gewohnten Sportarten wie Velofahren, Golfen, Wandern und sogar Skifahren nach.

Risikosportarten wie Kontaktsport (z.B. Fussball) und Aktivitäten, welche eine hohe Stoss- und Schlagbelastung auf das Kniegelenk ausüben (z.B. Joggen) sollten vermieden werden. Alle anderen Bewegungsaktivitäten, welche eine gleichmässige, gut koordinierbare Belastung auf das Kniegelenk ausüben (z.B. Velofahren, Wandern, Nordic Walken, Aquafit, Wet Vest Training), können gut unternommen werden.

Die Kniegelenkprothese wurde entwickelt, um den Arthroseschmerz zu behandeln und ein normales, schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Bei erhöhter Belastung des Implantates, wie es heute zunehmend jüngere, aktivere, im Berufsleben stehende Patienten in Anspruch nehmen, sollte man sich darüber bewusst sein, dass dann eine entsprechend schnellere Abnützung der Implantatteile erfolgen kann. Trotzdem müssen sie nicht darauf verzichten, gewohnte, leichtere Sportarten in einem vernünftigen Mass auszuüben.

Probleme nach Knieprothese

Die meisten Patienten sind mit dem Resultat nach Knietotalprothese sehr zufrieden, In den ersten Monaten nach Einbau einer Knieprothese empfinden viele Patienten gewisse Schmerzen und beobachten Schwellungen und eine Überwärmung des operierten Kniegelenkes. Der Heilungsprozess kann ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen. Dauerhaft beklagen gemäss internationalen Studien zirka 25 Prozent der Patienten mit Knietotalprothese Restbeschwerden wie Schmerzen, Schwellungsneigung, eine eingeschränkte Kniebeweglichkeit oder ungenügende Kniestabilität. Es ist eine besondere Kompetenz der Kniespezialisten vom Gelenkzentrum Zürich, diese Probleme nach Knieprothese abzuklären und zu behandeln (siehe Kapitel "Probleme nach Knieprothese").

Meniskusriss

Die Menisken sind Strukturen aus Faserknorpel, die als „Puffer“ zwischen Oberschenkel und Unterschenkelknochen im Kniegelenk liegen. Diese Kraftminderung erfolgt nicht nur durch die „Stossdämpferfunktion“, sondern auch durch die Vergrößerung der Kontaktfläche im Kniegelenk: dadurch werden auftretenden Kräfte im Kniegelenk verteilt und der Knorpel vor Überlastung geschont. Zudem unterstützen die Menisken die Kreuzbänder in deren Funktion als Rotationsstabilisatoren.


Man unterscheidet einen Aussen- und einen Innenmeniskus, die sich in ihrer Form und Aufhängung und damit Funktion deutlich unterscheiden.
 Man unterscheidet bei den Meniskusverletzungen zwei Gruppen:
 die durch abnehmende Durchblutung und bleibende Belastung und die, bei der Meniskusrisse entweder direkt, in Kombination oder als Folge von Bandinstabilitäten auftreten.

Während bei degenerativen Meniskusrissen die Symptome mal mehr oder mal weniger stark sein können, sind die unfallbedingten Verletzungen recht schmerzhaft und bedürfen in den meisten Fällen einer arthroskopischen Versorgung. Grundsätzlich sollte immer versucht werden, zum Beispiel durch eine Meniskusnaht soviel Meniskusgewebe wie möglich zu erhalten. Aber auch eine Teilentfernung des Innenmeniskus ist eine Operation, die zu einer schnellen Beschwerdelinderung und nicht zwangsläufig zu einem sofortigen Knorpelverschleiss führt. Andres ist dies jedoch beim Außenmeniskus, bei dem eine Teilentfernung den Knorpel übermäßigen Belastungen aussetzt.

Meniskusteilentfernung

Ist die Struktur des gerissenen Meniskus so aufgefasert, dass eine Meniskusnaht nicht mehr in Frage kommt, wird der verletzte Teil des Meniskus entfernt. In den häufigsten Fällen betrifft dies den hinteren Anteil des Innenmeniskus, seltener den eher folgeschwereren Außenmeniskus, bei dem nach Entfernung größere Gelenkkräfte auftreten.
 Hierbei gilt, dass nur so viel Meniskusgewebe entfernt werden sollte, wie unbedingt notwendig ist. Eine Meniskusteilentfernung wird heutzutage nur noch arthroskopisch durchgeführt, so dass die Schmerzen verschwindend gering sind. Für die Meniskusteilentfernung werden arthroskopische Spezialscheren, -stanzen und -schleifer verwendet.

Nach einer Teilentfernung ist das Kniegelenk für einige Tage zu schonen (ggf. an Krücken), damit sich das Gelenk von der Operation erholen kann, ohne dass eine Entzündung auftritt. Ein spezifisches physiotherapeutisches Training ist in den seltensten Fällen notwendig.

Meniskusnaht

Grundsätzlich versuchen wir, den Meniskus wegen seiner Funktion zu erhalten und damit jeden Riss wenn möglich zu nähen. Der Erfolg einer Naht hängt dabei von der Konsistenz des Meniskus und von der Lokalisation sowie der Rissform ab.
 Da wir in den meisten Fällen ein präoperatives MRT besitzen, können wir die Verletzung und die Lokalisation genau bestimmen. Dadurch kann man schon vor der Operation eine Prognose abgeben, ob eine Naht erfolgreich sein wird. Zur Naht verwenden wir verschiedene Techniken, die individuell auf die Verletzung abgestimmt sind. Wir bevorzugen es, die hinteren Anteile des Meniskus mit Ankersystemen und Verletzungen im vorderen Anteil mit selbstauflösenden Nähten an die Kapsel zu fixieren.

Nach einer Meniskusnaht muss das Kniegelenk deutlich mehr geschont werden als nach einer Teilentfernung. Zwar ist die Entlastung an Unterarmgehstützen ebenfalls nur kurz (2 Wochen), aber für eine gesicherte Heilung sollte die Beweglichkeit für ingesamt 6 Wochen limitiert werden. Dazu verordnen wir in der Regel eine Schiene, um diese Einschränkung besser einhalten zu können und eine schnellere Heilung zu fördern.

Meniskusersatz

Während der Verlust des gesamten Meniskus früher gang und gebe und auf ein radikales operatives Vorgehen zurück zu führen war, ist der Grund heute eher in einem nicht zu erhaltenden Meniskus aufgrund zu schwerer Meniskusverletzung zu suchen.
Ab und an muss ein gerissener Meniskus auch entfernt werden, wenn er zu lange nicht behandelt wurde und eine Naht daher nicht mehr möglich war. Viele dieser Fälle finden sich bei sportlich äußerst aktiven Patienten und so ist es nicht verwunderlich, dass der komplette Meniskusverlust auch heutzutage eher jüngere Patienten trifft, die aber noch keinen Knorpelschaden aufweisen. Sie erlangen durch die komplette Meniskusentfernung zwar rasch eine schmerzfreie Kniefunktion wieder, es ist jedoch nachgewiesen, dass es nach Meniskusverlust zu einem deutlich erhöhten Risiko zur Entwicklung von Belastungsschmerzen und einem Knorpelverlust kommt. 
Für diese Patienten bietet sich zum Vermeiden einer Arthrose das Einsetzen eines Meniskusersatzes an.
 Dieser Ersatz wird in einem arthroskopischen Eingriff in das Kniegelenk des Patienten eingebracht und mit Nähten an die umliegende Kapsel fixiert. Es stehen Kunstmenisken und der Meniskusallograft zur Verfügung.

Nach der Operation wird die Belastung und Beweglichkeit schrittweise erhöht. Mit Bewegungslimiten und einem umfangreiches Rehabilitationsprogramm sollte die freie Beweglichkeit und Belastung nach 3 Monaten und eine sportliche Belastung nach 6 Monaten wieder möglich sein.

Kreuzbandverletzung

Das vordere Kreuzband ist der zentrale Bewegungskoordinator im Kniegelenk, der nicht nur die Verschiebung des Ober- gegen den Unterschenkel sichert, sondern auch die Rotations- und Scherkräfte des Kniegelenks kontrolliert.

Das vordere Kreuzband (VKB) gewährleistet zu verschiedenen Stellungen des Kniegelenkes nicht nur die Stabilität nach vorne, sondern auch bei Drehbewegungen. Die Verdrehbewegung ist die typische Verletzung, bei der Kreuzbandrupturen entstehen – hauptsächlich bei Sportarten wie Skifahren oder solchen mit schnellem Richtungswechsel bei gleichzeitig am Untergrund fixiertem Fuß. Im Akutfall sind sofort auftretende Schmerzen, ein sofortiges Instabilitätsgefühl sowie ein Kniegelenkerguss nicht unüblich - häufig auch, weil das schmerzintensive Innenband mit betroffen ist. Es kann nach einer Kreuzbandverletzung aber auch ein beschwerdearmes Intervall auftreten, bei dem die Patienten wenig Probleme haben. 
Da aber ein fehlendes Kreuzband vermehrte Drehbewegungen zulässt, erhöhen sich mit der Zeit die Scherkräfte im Kniegelenk, die über kurz oder lang zu Knorpel- und Meniskusschäden und damit dauerhafte Schäden führen können.

Ob ein operativer Ersatz des VKB tatsächlich notwendig ist, entscheiden wir im Gelenkzentrum Zürich zusammen mit den Patienten und abhängig von den individuellen alltäglichen und sportlichen Ansprüchen sowie unter Berücksichtigung von Begleitverletzungen und der Gefahr von Folgeschäden.

Konservative (nicht operative Therapie)

Abhängig vom Patienten und der Art der Kreuzbandverletzung sowie von möglichen Begleitverletzungen kann eine konservative (nicht-operative) Therapie in Frage kommen. Dies trifft vor allem bei älteren Patienten mit schon bestehender Arthrose zu, bei denen die Gefahr besteht, das Kniegelenk durch eine Operation zu stramm zu machen und damit oder durch die Operation selber Schmerzen zu provozieren. Aber auch Teilrupturen, bei denen nur eines der beiden VKB-Bündel gerissen ist, können konservativ behandelt werden. 
Bestimmend für die Therapieform ist aber einerseits der individuelle Anspruch im Alltag, im Berufsleben und in der Freizeit sowie das Risiko für Folgeschäden. Beim konservativen Vorgehen geht es vor allem darum, die Muskulatur um das Kniegelenk und die tiefe Rückenmuskulatur zu stärken, um gerade bei Kniebeugung und -drehungen einen Grossteil der Kraft über den Rumpf zu kompensieren. Mit speziellen Trainingsmethoden und Therapieplänen wird in Zusammenarbeit mit ausgewählten Sporttherapeuten dieses sicherlich 3 Monaten umfassende Training durchgeführt. In der Anfangszeit kann es notwendig sein, die Kniestabilität von aussen her mit einer Schiene zu sichern, um Schmerzen zu lindern und ein frühzeitiges Üben möglich zu machen. Nach einem Ablauf von 3 Monaten sollte der Patient wieder seinen bisher gewohnten Tätigkeiten nachgehen können.

Ist dies nicht möglich oder sollte die anfangs abgegebene Schiene eine deutliche Verbesserung der Stabilität darstellen, so muss erneut über die operative Stablisierung des Kniegelenkes diskutiert werden.

Operative Behandlung (Ersatzplastik des vorderen Kreuzbandes)

Sollten nicht therapierbare Instabilitäten oder Begleitverletzungen vorliegen, die ein stabiles Kniegelenk benötigen oder der berufliche und sportliche Anspruch des Patienten ein stabiles Kniegelenk bedingen, so sollte das vordere Kreuzband (VKB) rekonstruiert werden.
Da eine einfache Naht bekanntermassen wieder reißt, besteht die operative Therapie in einem Ersatz des VKB mit körpereigenen Sehnen. Der Zeitpunkt zur Operation hängt von mehreren Faktoren wie z.B. Zusatzverletzungen ab, die eventuell erst zur Ausheilung gebracht werden müssen oder eine sofortige Operation bedingen. Im Normalfall wird dringend empfohlen, die VKB-Rekonstruktion erst nach einem Zeitraum von 6 Wochen durch zu führen, damit das Knie abschwellen kann, die Entzündug zurück geht, schmerzfrei ist und somit zu keiner vermehrten Narbenbildung tendiert.


In den letzten Jahren hat sich die kameraassistierte VKB Rekonstruktion deutlich weiter entwickelt. Anatomischere Ergebnisse, kürzere Operations- und Nachbehandlungszeiten, weniger Schmerzen, ein besseres kosmetisches Ergebnis und eine frühzeitige Sport- und Arbeitsfähigkeit sprechen für diese neuen Verfahren. Der Ersatz erfolgt in den meisten Fällen mittels einer köpereigenen Sehne.
 Wir verwenden vorzugsweise Sehnen aus der inneren Oberschenkelregion, da sie in Ihrer Länge und Ihrem Durchmesser den anatomischen Gegebenheiten des Kniegelenkes perfekt angepasst werden können. Zudem weisen sie im Gegensatz zur Kniescheibensehne (Patellasehne) nur selten anhaltende Entnahmeschmerzen auf, ähneln in ihrer Struktur eher der des natürlichen Kreuzbandes, bilden sich sogar teilweise nach und lassen sich kosmetisch hervorragend verschließen.

Sollte es sich um eine Zweit- oder Drittoperation handeln oder mehrere Bänder ersetzt werden müssen, so dass zu wenig körpereigenen Sehnen zur Verfügung stehen oder die Entnahme andere Probleme hervorrufen, werden Spendersehnen verwendet. Dabei entfallen die Entnahmeschmerzen vollständig, und die Kniemobilisation ist schneller erreicht, wobei eine längere Einheilzeit akzeptiert werden muss.

Mit den neuen Verankerungsmöglichkeiten ist das Einheilverhalten dieser Sehne zuverlässig und deutlich schmerzärmer als andere Techniken.

Wechseloperation nach VKB Ersatzplastik

Für Wechseleingriffe (Revisionen) nach erfolgter Rekonstruktion des VKB bestehen mehrere Gründe: entweder eine Reruptur nach einem erneuten Unfall, eine Restinstabilität oder eine eingeschränkte Beweglichkeit sowie Schmerzen nach einer vorgängigen Rekonstruktion.

In allen Fällen muss eine detaillierte Analyse mit ausführlicher Bildgebung durchgeführt werden, bei der die Kanallage der ersten Operation dargestellt wird. Im Falle eine Reruptur kann daraufhin entschieden werden, ob die ehemaligen Bohrtunnel wieder verwendet werden können oder ob sie aufgrund einer Kanalweitung in einem ersten Eingriff aufgefüllt werden müssen, bevor ein neues Kreuzband eingebaut werden kann. In den seltenen Fällen einer Bewegungseinschränkung nach VKB Transplantation muss von einer Tunnel- und damit Kreuzbandplatzierung ausgegangen werden, die nicht der Anatomie entspricht und in dem betroffenen Kniegelenk an Knochenränder oder das hintere Kreuzband anstösst und somit diese Bewegungseinschränkung bedingt. Nach eingehender Besprechung der Klinik und Erklärung der Bilder mit dem Patienten wird dann eine gemeinsame Lösung für den individuellen Bedarf erarbeitet.
Am schon voroperierten noch stehenden steilen Kreuzband vorbei wird das schräge Bündel eingezogen, das die Rotation stabilisiert.

Nachbehandlung nach VKB Ersatzplastik

Im Gelenkzentrum Zürich wird ein etabliertes Stufenkonzept mit zunehmender Belastung angewendet. Dadurch können auch Begleitoperationen berücksichtigt werden. Zudem erhalten unsere Patienten bei der Entlassung ein spezifisches Nachbehandlungsschema, das sie ihrem behandelnden Hausarzt oder Physiotherapeuten vorlegen können.

Spätestens am Tag nach der Operation wird das Knie mit Hilfe einer Bewegungsschiene mobilisiert, um eine Verklebung im besonderen der Kniescheibe zu vermeiden. In Abhängigkeit von den mitbehandelten Begleitverletzungen und Zusatzoperationen liegt der Gebrauch der Gehstützen meist bei 4 Wochen. Meistens haben die Patienten nach 4 Wochen wieder ein einsatzfähiges Kniegelenk für das Alltagsleben.

Noch während des stationären Aufenthaltes erhält der Patient bei Bedarf eine bewegliche Knieschiene und nach ca. 2 Wochen passiver Beübung wird mit einer Aktivierung der Muskulatur unter stetigem Tragen der Schiene begonnen. Um eine ausreichende Stabilität und Koordination zu erreichen und nach 6 Monaten wieder Kontaktsportarten zu betreiben, sollten im Rahmen der Rehabilitation koordinative Übungselemente und Rumpfstabilisierung (Core-strength) bevorzugt werden.

Probleme nach Knieprothese

Die meisten Patienten sind mit dem Resultat ihrer Knieprothese sehr zufrieden. Dennoch beklagt jeder vierte Patient nach Knietotalprothese dauerhaft Restbeschwerden und ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Dies hängt u. a. damit zusammen, dass das natürliche Kniegelenk überaus komplex ist und mit seinem ausgeklügelten Zusammenspiel von Muskeln, Bändern, Sehnen, Meniskusstrukturen und den knorpelüberzogenen Gelenkoberflächen durch eine Knietotalprothese nicht perfekt ersetzt werden kann (siehe Artikel) (siehe TV-Sendung).

Was ist das Ziel einer Knieprothese? Was kann erwartet werden?

Der Verschleiss des Kniegelenkes – die Kniearthrose – hat sich in unserer zunehmend älteren und sportlich aktiven Bevölkerung zu einer regelrechten «Volkskrankheit» entwickelt. Die typischen Folgen sind Knieschmerzen bei Belastung und eine eingeschränkte Kniebeweglichkeit. Das Ziel einer Knieprothese ist die Beseitigung dieser Beschwerden bei fortgeschrittener Kniearthrose. In der Schweiz werden jährlich zirka 16 000 Knieprothesen mit zunehmender Tendenz implantiert. Die meisten Patienten sind mit dem Resultat ihrer Knieprothese sehr zufrieden. Dennoch beklagt jeder vierte Patient nach Knietotalprothese dauerhaft Restbeschwerden und ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Dies hängt u. a. damit zusammen, dass das natürliche Kniegelenk überaus komplex ist und mit seinem ausgeklügelten Zusammenspiel von Muskeln, Bändern, Sehnen, Meniskusstrukturen und den knorpelüberzogenen Gelenkoberflächen durch eine Knietotalprothese nicht perfekt ersetzt werden kann.

Welche Beschwerden können nach Knieprothesen auftreten?

In den ersten Monaten nach Einbau einer Knieprothese empfinden viele Patienten gewisse Schmerzen und beobachten Schwellungen und eine Überwärmung des operierten Kniegelenkes. Der Heilungsprozess kann ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen. Dauerhaft beklagen zirka 25 Prozent der Patienten mit Knietotalprothese Restbeschwerden wie Schmerzen, Schwellungsneigung, eine eingeschränkte Kniebeweglichkeit oder ungenügende Kniestabilität.

Wie werden Beschwerden nach Knieprothese abgeklärt?

Beschwerden nach Knieprothese können verschiedene Ursachen haben (siehe Artikel). Die Abklärungen sollten durch einen mit Knieprothesen und ihren Tücken sehr erfahrenen Kniechirurgen erfolgen. Kommen die Beschwerden wirklich vom Knie oder sind andere Schmerzursachen (v. a. Hüftgelenk, Wirbelsäule oder Nervensystem) beteiligt? Gibt es ein mechanisches Problem mit der Knieprothese? Ist die Kniescheibe nicht optimal durch die Knieprothese geführt? Stimmt die Bandspannung um die Knieprothese nicht? Ist die Prothese in bestimmten Positionen nicht stabil? Oder liegt ein steifes Knie mit ausgeprägten inneren Vernarbungen vor? Sind die im Knochen verankerten Prothesenteile gelockert? Liegt ein Verschleiss von Prothesenteilen vor? Oder muss die schwerwiegende Komplikation einer Infektion befürchtet werden? Bei den Abklärungen kommt der Beschreibung der Beschwerden durch den Patienten (Anamnese) eine enorm grosse Bedeutung zu. Die körperliche Untersuchung von Knie und angrenzenden Gelenken liefert weitere wichtige Hinweise. Röntgenbilder des betroffenen Kniegelenks aus verschiedenen Richtungen helfen, um die Verankerung, Grössenverhältnisse und Positionierung der Knieprothese zu beurteilen. Bildgebende Verfahren wie Computertomographie, Skelettszintigraphie oder kombiniert als sog. SPECT-Computertomographie können hilfreiche Zusatzinformationen liefern. Bei Verdacht auf eine Infektion werden die Entzündungswerte im Blut sowie Kniegelenksflüssigkeit untersucht. Der Stellenwert von Allergien auf Prothesenbestandteile im Zusammenhang mit Restbeschwerden nach Knieprothese ist aktuell nicht klar. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Patienten auch bei Kontaktallergien gegen Prothesenbestandteile auf der Haut die im Körperinneren liegenden Prothesen problemlos vertragen.

Wie können Beschwerden nach Knieprothese behandelt werden?

Wenn deutliche Beschwerden nach Knieprothese vorliegen, welche nur durch eine erneute Operation mit hoher Wahrscheinlichkeit beseitigt werden können, ist eine erneute Operation (Wechseloperation) ernsthaft zu diskutieren.

Wenn sich hingegen keine Ursache für die Beschwerden finden lässt, ist äusserste Zurückhaltung gegenüber einer erneuten Operation geboten. Andere Massnahmen wie Medikamente zur Schmerzbehandlung oder physikalische Massnahmen zum Beispiel bei Sehnenentzündungen sollten dann ausgereizt werden.

Die wichtigsten Gründe für Wechseloperationen von Knieprothesen sind die Prothesenlockerung, Infektion, Restschmerzen, Instabilitäten oder eine Kniesteife. Kombinierte Probleme können vorliegen, zum Beispiel bei Kniesteife grosszügig dimensionierte und nicht optimale ausgerichtete Prothesenkomponenten. Das Ziel der Wechseloperation ist wie bei der Erstoperation eine langanhaltende Verbesserung der Kniefunktion und möglichst die Beseitigung von Knieschmerzen. Bei Wechseloperationen werden oft komplexere Probleme mit Knochenverlust und beschädigtem Bandapparat behandelt. Spezielle Wechselprothesen können notwendig sein. Der behandelnde Kniechirurg sollte daher grosse Erfahrung mit Wechseleingriffen von Knieprothesen haben (siehe Artikel).

Zusammenfassung

Immer mehr Patienten in der Schweiz beklagen eine fortgeschrittene Kniearthrose mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung. Die Behandlung mit einer Knieprothese kann eine hervorragende Option darstellen. Allerdings beklagen zirka 25 Prozent der Patienten dauerhaft Restbeschwerden nach Knieprothese. Die möglichen Ursachen für Beschwerden sind vielfältig und die Abklärung und Behandlung der zugrundeliegenden Ursachen kann sich entsprechend schwierig gestalten. Aus diesem Grund sollten Patienten mit unklaren Beschwerden nach Knieprothese durch einen Kniechirurgen beraten und gegebenfalls behandelt werden, der eine grosse Erfahrung mit Knieprothesen und ihren Problemen hat (siehe Artikel) (siehe TV-Sendung).