Oberflächenersatz der Hüfte
Alternative zur Hüftprothese
Der bewährte Oberflächenersatz der Hüfte (McMinn-Operation), bisher vor allem mit Metall-Metall-Gleitpaarung eingesetzt, ist heute auch in einer modernen Keramik-Keramik-Variante verfügbar. Diese reduziert potenzielle Metallabrieb-Probleme und bietet eine besonders verträgliche sowie langlebige Lösung.
Damit eignet sich das Verfahren insbesondere für jüngere, aktive und sportliche Patientinnen und Patienten mit hohen funktionellen Ansprüchen. Die Methode selbst ist etabliert – die neue Materialkombination stellt jedoch eine innovative Weiterentwicklung mit klaren Vorteilen dar.
Knochenerhaltende
Alternative zur Hüftprothese
Der Oberflächenersatz der Hüfte – auch McMinn-Operation, Hüftkappe, Kappenprothese oder «Resurfacing» Hüftprothese genannt – ist eine knochenerhaltende Alternative zur konventionellen Hüfttotalprothese.
Im Unterschied zur konventionellen Hüftprothese wird beim Oberflächenersatz nicht der gesamte Hüftkopf entfernt. Stattdessen werden lediglich die geschädigten Gelenkoberflächen ersetzt, während Hüftkopf und Schenkelhals weitgehend erhalten bleiben.
Keramik-Oberflächenersatz
Seit Ende 2025 ist mit dem ReCerf-System ein neuer Keramik-Oberflächenersatz verfügbar, der sich aktuell in der klinischen Anwendung etabliert. Durch die Keramik-Keramik Gleitpaarung gibt es kein Metallabrieb. Die Gleiteigenschaften von Keramik auf Keramik sind mehrfach untersucht und zeigen den geringsten Abrieb, was Keramik grundsätzlich zu einem sehr geeigneten Material macht.
Bereits 2018 wurde die ReCerf im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt und es zeigte sich von bald, dass die Revisionsraten sehr klein sind und auch das etwas befürchtet Quietschen, das bei konventionelle Keramik-Keramik Hüftprothesen vorkommt bei der ReCerf extrem selten ist und es bis jetzt nicht zur Revision gekommen ist aufgrund von Quietschen. Weltweit wurden bereits mehr als 3000 ReCerf Oberflächenersatzprothesen verwendet mit äusserst geringen Revisionsraten.
Langzeitresultate (mehr als 10 Jahre) vom ReCerf Produkt fehlen. Aus heutiger Sicht erscheint aber der Keramik Oberflächenersatz als eine vielversprechende Option für jüngere aktive Patienten mit Hüftarthrose.
Eine individuelle orthopädische Untersuchung und Beratung ist daher entscheidend, um die optimale Therapieform festzulegen.
Geeignete Patientinnen und Patienten:
Der Oberflächenersatz kann eine geeignete Therapieoption sein für:
- aktive Patienten mit Hüftarthrose
- Patienten mit guter Knochenqualität
- Menschen mit hohen funktionellen Ansprüchen im Alltag oder Sport
- häufig Patienten unter etwa 65 Jahren
Voraussetzung ist eine stabile Knochenstruktur im Bereich von Hüftkopf und Schenkelhals ohne ausgeprägte Deformierungen.
Sport und Aktivität nach der Operation
Durch die stabile Gelenkmechanik können viele Patienten nach einem Oberflächenersatz wieder ein aktives Leben mit sportlicher Belastung führen.
Mögliche Aktivitäten können beispielsweise sein:
- Tennis
- Skifahren
- Golf
- Joggen (moderat)
Welche Sportarten individuell sinnvoll sind und wann damit begonnen werden darf, wird im persönlichen Gespräch mit Ihnen festgelegt.
Vorteile gegenüber der Totalprothese
Der Oberflächenersatz bietet mehrere biomechanische Vorteile gegenüber einer klassischen Hüftprothese.
Erhalt von Knochenstruktur
- Hüftkopf und Schenkelhals bleiben erhalten
Natürlichere Gelenkmechanik
- die anatomische Gelenkgröße bleibt erhalten
- natürliche Beweglichkeit des Hüftgelenks
Stabile Biomechanik
- Beinlänge wird in der Regel nur unwesentlich verändert
- natürliche Hebelverhältnisse der Hüftmuskulatur bleiben erhalten
Geringeres Luxationsrisiko
- durch den grossen Kopf (gleich wie der native Kopf) besteht eine enorm hohe Stabilität
Beste Voraussetzungen für spätere Wechseloperationen
- bei Bedarf kann später problemlos eine Standardprothese implantiert werden
Geschichtliche Herleitung des Oberflächenersatzes bei Hüftarthrose
Birmingham Hip Resurfacing (BHR)
Das Verfahren wurde wesentlich vom britischen Orthopäden Derek McMinn entwickelt und ist schon seit Ende der 90er Jahren etabliert. Die bekannteste Prothese ist die Birmingham Hip Resurfacing (BHR). Sie zeigt in erfahrenen Zentren sehr gute Langzeitergebnisse mit niedrigen Revisionsraten auch nach über 15–20 Jahren.
Parallel wurden auch andere Metall-Metall-Systeme eingesetzt, die teilweise deutlich schlechtere Ergebnisse zeigten. Dies führte insgesamt zu einem deutlichen Rückgang des Oberflächenersatzes – auch bei eigentlich gut funktionierenden Systemen wie der BHR.
Tennisspieler Andy Murray
Ein prominentes Beispiel ist der Tennisspieler Andy Murray, der nach Implantation einer solchen Prothese wieder in den Profisport zurückkehrte.
Zusammensetzung von Birmingham Hip Resurfacing (BHR)
- einer unzementierten Pfanne
- einer Metall-Gleitpaarung (Kobalt-Chrom)
- einer zementierten Metallkappe (Kobalt-Chrom)
Oberflächenersatz der Hüfte als Alternative zur Hüftprothese
Befürchtungen einer Keramik-Keramik Oberflächenersatz Hüftprothese (ReCerf)
- Quietschen: Dieses Phänomen bei Keramik-Keramik Gleitpaarung ist bekannt aber es ist sehr selten und hat bis jetzt nicht zu einer Revision geführt bei über 3000 eingesetzten ReCerf Hüftkappen.
- Schenkelhalsbruch: Der Schenkelhalsbruch ist eine gefürchtete Komplikation nach einem Oberflächenersatz. Das Risiko das zu erleiden ist weniger als 1% und abhängig von der Implantatstellung aber vom operativen Zugang sowie auch was die Patienten im ersten Jahr nach der Operation machen.
- Keine Langzeitstudien bezüglich Revisionsrate. Hier kann die ReCerf nicht mithalten mit den konventionellen Hüftprothesen. Hier kann gesagt werden, dass die ReCerf seit 2018 implantiert wird im Rahmen einer Studie und nun bei den sehr guten Resultaten bezüglich Revisionsrate und Patientenzufriedenheit erhältlich geworden ist in der Schweiz und ganz Eruopa sowie schon länger in Kanada und Australien.
- Operativer Zugang: Je nach Anatomie und Hüftarthroseausmass wird nicht der sogenannte minimal invasive anteriore Zugang (Hautschnitt am vorderen oberen Anteil des Oberscherschenkels) sondern einen posterioren Zugang (Hautschnitt am seitlichen oberen Anteil des Oberschenkels) durchgeführt. Die Studienlage in der konventionellen Hüftprothetik zeigt, dass die Resultate 1 Jahr nach Hüftprothese keine Unterschiede bezüglich Kraft, Gangbild und Patientenzufriedenheit unabhängig ob die Patienten einen anterioren oder posterioren Zugang bekamen aufweisen. Somit ist der sehr etablierte posteriore Zugang in meinen Händen in den meisten Fällen der bessere um die ReCerf in perfekter Position einzusetzen. Eine individuelle orthopädische Untersuchung und Beratung ist daher entscheidend, um die optimale Therapieform festzulegen.